Am 20. August waren Stefan Esselborn, Andrea Reichenberger und Helmuth Trischler (Deutsches Museum München) zu Gast bei Prof. Dr. Ernst Heinrich Hirschel, um das erste Oral-History-Interview zu führen.
Hirschel zählt zu den prägenden Akteuren der Entwicklung der Computational Fluid Dynamics (CFD) im deutschsprachigen Raum. Er war unter anderem Leiter der Abteilung „Theorie und Numerik“ am Institut für Gasdynamik der DFVLR in Köln-Porz, Gründungsvorsitzender des GAMM-Fachausschusses für numerische Methoden in der Strömungsmechanik und Professor für theoretische Fluidmechanik in Aachen, München und Stuttgart. Darüber hinaus war er als Ingenieur für Aerodynamik in leitender Funktion bei MBB und Dasa Military Aircraft tätig.
Im Gespräch berichtete uns Prof. Hirschel über die Entwicklung der CFD von den frühen 1960er bis in die späten 1990er Jahre. Dabei ging es nicht nur um mathematische Verfahren und die zunehmende Leistungsfähigkeit von Computern, sondern auch um die konkrete Forschungspraxis: Wie wurden Strömungsprobleme berechnet, bevor leistungsfähige Computer zur Verfügung standen? Welche Rolle spielten numerische Verfahren, Software und Recheninfrastrukturen? Und wie veränderte sich dadurch die Arbeit von IngenieurInnen und Forschenden?

Es wurde deutlich, wie sehr sich die Rolle der CFD zwischen den frühen 1960er und den späten 1990er Jahren veränderte, als diese von einem eher wenig beachteten Spezialgebiet zu einer Basistechnologie in der Luft- und Raumfahrtforschung heranreifte. Die Geschichte dieser Entwicklung ist damit zugleich eine Geschichte des Zusammenspiels von mathematischen Methoden, Softwareentwicklung, Rechenleistung und wissenschaftlicher Praxis.
Wir danken Prof. Hirschel für das sehr angenehme Gespräch und die spannenden Einblicke in die Geschichte seines Forschungsfeld!