Das Projekt Edition wissenschaftliche Software (EWS) erforscht die Geschichte wissenschaftlicher Software in Deutschland, die zwischen 1950 und 2010 in Deutschland entwickelt und eingesetzt wurde.
Während Computersimulationen, mathematische Modelle und Algorithmen aus der heutigen Erkenntnisproduktion in der Wissenschaft nicht mehr wegzudenken sind, drohen die Quellen dieses «computational turn» in den Wissenschaften unwiederbringlich verloren zu gehen: Forschungsprojekte kamen an ihr Ende, der einmal geschriebene Code der Programme wurde kontinuierlich ergänzt oder gar gelöscht, Computerhardware wurde obsolet und alte Speichermedien lassen sich heute nicht mehr ohne weiteres lesen.
Das Ziel der EWS besteht darin, den noch vorhandenen Bestand wissenschaftlicher Software zu erschließen, die Dokumente auf einer Online-Forschungsplattform für die Wissenschafts- und Technikforschung zur Verfügung zu stellen und sie in einer historisch-kritischen Edition auszuwerten. Dafür sollen Standards für die Archivierung und Edition wissenschaftlicher Software entwickelt werden.

Arbeitsgebiete
Simulation
Seit den 1970er Jahren kommen verstärkt Simulationsmodelle in den Disziplinen der Chemie und Physik, sehr früh aber auch der Meteorologie zum Einsatz.
Basistechnologien
Zu den Basistechnologien gehören numerische Methoden und Programmbibliotheken, die Computer-Algebra-Systeme sowie Programmiersprachen wie ALGOL.
Instrumenten-, Datenanalyse- & Visualisierungssoftware
Die Digitalisierung von Messgeräten erfordert nicht nur Software zur Steuerung sondern ermöglicht mit zunehmender Datenmenge auch deren automatisierte Auswertung und Visualisierung.
Forschungsmethoden
Oral-History Interviews
Semistrukturierte Leitfadeninterviews mit Zeitzeugen und Softwareentwicklern zur Erfassung informeller Praktiken und Kontextualisierung
Archivforschung
Verstreute handschriftliche und digitale Quellen in institutionellen und privaten Archiven
Partizipative Ansätze
Bereitstellung einer Online-Plattform für bislang unerschlossene Bestände
Förderung
Gemeinsames Vorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Zentrum für Wissenschaftsforschung der Leopoldina in Halle (Saale) gefördert vom Akademienprogramm.
Laufzeit
Januar 2026 – Dezember 2046